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Paris -danach

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Der Anruf kam morgens um kurz nach halb 8. ‚Papa, geht’s euch gut?’

Verschlafen richtete ich mich etwas auf und runzelte die Stirn. ‚Ja klar, warum?’

‚Ja, habt ihr denn nichts mitgekriegt..’, Christian am anderen Ende klang besorgt und erstaunt zugleich.

‚Was ist denn los?’, jetzt wurde ich wach und auch meine Frau blickte mich fragend an.

‚Habt ihr denn von den Terroranschlägen nicht mitbekommen??’

‚TERRORANSCHLÄGEN??’

Wir hatten uns ein langes Wochenende in Paris gegönnt. Freitagmorgen waren wir von Düsseldorf nach Paris geflogen und zur Mittagszeit in dem kleinen Hotel in der Nähe des Gare du Nord angekommen. Den Nachmittag hatten wir mit einem langen Spaziergang zum Montmartre verbracht, uns in einer kleinen Brasserie einen Snack und – endlich – ein schönes Glas französischen Rotwein gegönnt. Wir saßen draußen an der Promenade, genossen die Sonne und beobachteten Touristen und Künstler. Straßenmaler fertigten Porträts, gegenüber auf dem Place du Tertre boten andere Künstler ihre Werke an. Hier konnte man die Seele baumeln lassen .....

Am Spätnachmittag schlenderten wir zurück zum Hotel. Die Straßen laut und hektisch, Menschen aller Hautfarben auf den Gehsteigen, Auto an Auto auf den Fahrbahnen, immer hupend unterwegs. Vorbei an Marktständen voller Lebensmittel. Fisch, Meeresfrüchte, Obst, Gemüse, Käse, Fleisch – alles was der Pariser frisch für’s Wochenende braucht. Wir genossen diese Atmosphäre, ließen uns treiben, bis wir wieder am Hotel waren.

Hier beschlossen wir nach einer Dusche, entgegen den französischen Gepflogenheiten, erst spät zum Abendessen zu gehen, schon um 18:30 unser Glück zu versuchen. Der Hunger nach einem langen Tag bestimmte, was wir zu tun hatten.

Einige hundert Meter von unserem Hotel fanden wir ein nettes Restaurant, das bereits geöffnet hatte. Wir bestellten einen Kir und studierten dann in Ruhe die Abendkarte. Nach einem wirklich guten Abendessen und einem Calvados zum Abschluss verließen wir gut gelaunt das Restaurant. Jetzt war es fast 21:00 Uhr und wir wollten in der Nähe des Hotels in einer Bar das Länderspiel Frankreich-Deutschland schauen. Ich hatte schon beim Einchecken am Mittag eine nette Brasserie gegenüber gesehen, die wir jetzt ansteuerten. Leider war die Bar so voll, dass wir keinen Platz mehr bekamen. So versuchten wir es 3 Häuser weiter – und mussten feststellen, das wir die einzigen Gäste waren und der Wirt, ein ehemaliger Boxer, keine Lust auf Fußball hatte. Etwas frustriert kehrten wir ins Hotel zurück, besorgten uns noch einen Wein und schalteten den Fernseher auf dem Zimmer an.

Kurz vor Ende der ersten Halbzeit fing es an. Sirenen – Polizei und Rettungswagen waren auf den Straßen zu hören. Keine Meldungen im Fernsehen und das Länderspiel lief weiter .... Im Lauf der zweiten Halbzeit schaltete ich frustriert den Fernseher aus. Trotz – oder gerade weil die Sirenen noch immer heulten, gönnten wir uns noch einen Rotwein, schlossen das Fenster und beschlossen, den Abend zu beschließen.

Nach ca. 2:00 hörten die Sirenen endlich auf – die Nacht wurde ruhig und auch draußen auf der Hauptstraße hatte Paris ein Einsehen mit uns. So schlummerten wir in den neuen Tag - - - - bis das Handy klingelte: ‚Papa, geht’s euch gut?’

Erst jetzt, noch halb im Schlaf, fiel uns auf, dass die Straßen leer waren! Kaum Fußgänger, kaum Autos – gestern Abend noch wabberndes Leben, Straßen voll und verstopft direkt vorm Hotel. Jetzt - - fast nichts. Gespenstisch! Nachdem wir den Anruf von Christian – und 10 Minuten später von unserm anderen Sohn, der sich auch sorgte, wirklich realisiert hatten, schauten wir besorgt und ungläubig aus dem Fenster. Das war nicht mehr das Paris, das wir kannten. So gespenstig gelähmt ...

Als wir uns wieder eigenmaßen gefasst hatten, informierten wir uns übers Internet und sahen das Grauen. Unfassbar – aber wohl vor unserer Tür passiert. Und wir hatten nichts mitbekommen – wir waren nicht betroffen – wir hatten Glück! Keine 800 Meter von unserem Hotel hatte ein Anschlag stattgefunden! Wir hatten’s verschlafen – aber überlebt!!

Was jetzt??

Es war Samstag, unser Rückflug für Montag gebucht. Doch wie an einem Ort Urlaub verbringen, der zum Grauen geworden war. Wo fröhliche, unschuldige Menschen gestorben waren, weil Irre sich anmaßen, in Namen einer Religion Untaten zu verüben, die der Prophet niemals billigen würde.

Unser Gedanke war – weg!!

Weg hier, wo so viel Unrecht, Greul und Schrecken verbreitet wurde. Wo kein Gott da war, der die Hand über all die Menschen gehalten hat. Wo man lange nicht mehr lachen kann, ohne an all die zu denken, die ihr Leben lassen mussten oder nun mit zwischen Leben und Tod liegen.

Paris ist nicht mehr Paris – auch wenn wir diesen kranken Terroristen keinen Triumph lassen werden!

Paris wird sich erholen – aber unsere Gedanken werden immer bei allen bleiben, die an diesem Tag gestorben, noch mit ihrem Leben ringen oder betroffen sind!

Wir entschieden uns, die Stadt der Liebe zu verlassen, so schnell es irgend möglich ist. Gegen 10 Uhr am Vormittag ging ich auf die fast leere Straße vor dem Hotel. Kaum jemand, der mit mir zusammen zur Metro unterwegs war. Am Vorabend waren die Straßen voll, überall auch Gruppen mit Menschen arabischen Aussehens. Jetzt sah man keinen mehr ... Ich wusste auch nicht, ob die Metro überhaupt fährt – und wenn, welche Linien zu welchen Zielen überhaupt ...

Zum Glück fuhr die Metro in Richtung Gare du Nord. Dort angekommen, fand ich mehr Militär und Polizei als Reisende vor. Am Ticket-Counter wurde ich kontrolliert und nicht wie einige Menschen mit anderer Hautfarbe abgewiesen.

Wir hatten Glück und bekamen noch 2 Tickets mit dem Thalys nach Düsseldorf, wir konnten Paris um 12:00 Uhr verlassen!

Zurück im Hotel fand ich Angie ganz aufgelöst vor. ‚Das machst du nicht noch mal! Du lässt mich nicht einfach wieder allein!’ Sie war ärgerlich, ängstlich und doch glücklich, dass ich wieder da war. Auf Grund der Situation wusste aie nicht, ob mit alles in Ordnung war und es keine Probleme auf dem Weg zum und vom Bahnhof gab. Ich nahm meine Angie in den Arm – und wir waren ganz nah!

Eine halbe Stunde später waren wir auf dem Weg zum Bahnhof. Alles ohne Probleme. Auf dem Bahnhof wieder dieses mulmige Gefühl – alle Menschen mit scheuen, unsicheren Blicken, überall Polizei, Militär, Waffen, Waffen, ...

Endlich konnten wir einsteigen. Auf unseren Plätzen angekommen, dachte ich, das jetzt alle Anspannung abfallen kann: ‚Schau mal da, am Gleis nebenan!!!!’ Angie war zwischen Aufregung und Panik: am Nebengleis waren etwa 10 Polizisten. Die umringten einen Mann, legten ihm Handschellen an und drückten ihn auf den Bahnsteig ....

Der Zug fuhr an, und wir verließen Paris!

Bye – bye, hoffentlich sehen wir uns unter anderen Umständen wieder.

Paris, wir lieben dich!

Paris, das was passiert ist, bist nicht du!

Paris – du bist Paris!!!

Nach einigen Stunden erreichten wir endlich Düsseldorf, fuhren nach einigen Irrungen weiter zum Flughafen und von dort mit dem Auto nach Hause.

Ein seltsamer Abend – wir saßen zusammen, waren aber doch allein mit unseren Gedanken. Uns war nichts passiert, wir waren zu hause!

Später im Bett nahm ich meine Angie ganz fest in den Arm. Sie kuschelte sich an mich und wir verstanden ohne Worte, dass wir uns noch mehr gefunden hatten.

Doch Paris wird wieder Paris werden – und Paris bleibt unsere Stadt!

© by Alan

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Kommentare

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    Anfangs war ich ein Fan. Dann fanden mich Freunde. Dann wurde ich Freund. Bis mir widerfuhr die Willkür der Betreiber. Schade darum. Vieles ging verloren im Netz. Nun bin ich hier.

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