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Der Bote kommt nicht nur einmal Teil 1

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Hämisch grinsend betrachtet Frieder Schubert den Bescheid vom Familiengericht, den sein Anwalt ihm geschickt hat, nimmt einen Schluck aus seinem Whiskyglas, nachdem er sich´s auf dem Sofa bequem gemacht hat.

„Der Mann ist sein Geld wert,“ lacht er vor sich hin, „siebzig Euro Unterhalt, in ein, zwei Jahren vielleicht gar nichts mehr,“ freut er sich.

Aber die Freude über die erzielte Entscheidung währt nicht lang und wenige Minuten später wird er sich wünschen, er hätte sie nicht angestrengt, sich bereit erklärt, seiner Lebensgefährtin und den Kindern mehr Unterhalt zu zahlen.Wo der Mann in einem grauen Anzug auf einmal herkommt, kann er sich nicht erklären. Wahrscheinlich ist er in die Wohnung eingebrochen, hat auf ihn gewartet. Er ist etwa eins achtzig gross, hat eine normale Statur. Lächelnd kommt er auf ihn zu.

„Findest du das in Ordnung, dass Trixi mit siebzig Euro abgespeist wird, während du ein Schweinegeld verdienst, sie locker mit wesentlich mehr unterstützen könntest?“ fragt er mit einer tiefen, angenehmen Stimme.

Frieder Schubert ist ein skrupelloser, abgebrühter Finanzmakler, den so schnell nichts aus der Ruhe bringt.

„Ich weiss zwar nicht, was dich das angeht und wie du überhaupt hier rein gekommen bist, aber du hast zehn Sekunden Zeit, zu verschwinden, sonst hast du ein Problem,“ entgegnet er dem Fremden gelassen.

„Hättest du die Güte, meine Frage zu beantworten und mir keinen Mist zu erzählen?“ fragt der Mann mit in einem Glitzern in den Augen, das Frieder unter die Haut geht. Etwas vorsichtiger geworden setzt er sich auf, starrt den Mann an.

„Mach dass du raus kommst, sonst wirst du…“

„Was werd ich sonst?“ unterbricht ihn der mit einem Funkeln in den Augen, das Frieder noch vorsichtiger werden lässt. Einen Moment ist er versucht, dem Mann seinen Whisky ins Gesicht zu schütten. Aber das gefährliche Funkeln in seinen Augen lässt ihn drauf verzichten. Als hätte er den Gedanken erraten, packt der Fremde seine Hand mit dem Whiskyglas, drückt sie zusammen. Den Versuch, sich dagegen zu wehren gibt Frieder schnell auf. Der Mann drückt seine Hand zusammen, als wäre er in eine Baggerschaufel geraten.

Das Glas bricht knirschend, schneidet ihm in die Handinnenfläche. Frieder spürt das Blut, das ihm am Arm runter tropft. Der restliche Whisky brennt wie Feuer in der Wunde. Wütend vor Schmerz springt er auf, will dem Mann eine Kopfnuss verpassen. Doch der erkennt seine Absicht, lässt ihn erst in seine Faust, dann an den Ellenbogen prallen. Mit einem dumpfen Schrei landet Frieder im Sofa, holt sein Taschentuch raus, drückt es auf die Wunde.

„Wieviel?“ fragt ihn der Mann noch einmal und Frieder weiss ohne zu fragen, was er meint.

„Zweihundert,“ bietet er mit röchelnder Stimme an.

Die Hand des Mannes schiesst vor, packt ihn am Hodensack und drückt fast genauso fest zu, wie kurz zuvor bei dem Glas. Unfähig, sich auch nur einen Zentimeter zu bewegen, jault Frieder auf. Der Schmerz lässt ihn schier ohnmächtig werden.

„Jetzt weißt du, wie Trixi sich fühlt, wenn sie den Schrieb von deinem Anwalt bekommt.“

Um nicht die geringste Gegenwehr aufkommen zu lassen, zieht der Mann Frieder am Hodensack hoch, drängt ihn an seinen Computer.

„Du wirst ihr per Dauerauftrag zweihundertfünfzig als Unterhalt und dieselbe Summe auf ein

Sparkonto überweisen, bis die Kinder ihre Ausbildung beendet haben, was immer sie auch machen werden.“

Starr vor Schmerz sieht Frieder zu, wie der Mann an der Tastatur seine Bank anwählt, ihm mit einem Kopfnicken zu verstehen gibt, dass er die entsprechenden Daten eingibt.

Als er versucht, einen mit seiner Bank vereinbarten Warncode einzugeben, packt ihn der Mann noch mal am Hodensack. Diesmal greift er ihm zwischen den Beinen durch, zieht so kräftig, dass Frieder laut aufschreit, über dem Schreibtisch zusammen bricht.

„Du hältst aber gar nichts aus, du Pfeife,“ flüstert der Mann ihm zu, „kannst wohl nur bei Frauen den grossen Macker spielen. Gib ein, was ich dir gesagt hab und du bist die Schmerzen los.“

Mit schwarzen Schatten vor den Augen gibt Frieder die geforderten Daten ein, lässt sich dann stöhnend auf den Fussboden fallen.

„Ihr Schlappschwänze seid doch alle gleich, eine grosse Klappe und wenn´s gilt, heult ihr wie die Memmen.“

Bevor der Mann weg geht, packt er Frieder am Kragen, zieht ihn mühelos hoch. Seine Augen leuchten derart gespenstisch, dass er sich vor Angst beinah in die Hose macht.

„Solltest du auf die Idee kommen, alles rückgängig zu machen oder die Polizei einzuschalten,

komm ich wieder und dann wirst du den Tag bereuen, an dem… na, lassen wir das…ich denke, du weißt Bescheid, wirst jetzt ein braver Junge sein.“

Voller Verachtung schleudert der Mann ihn über das Sofa, geht dann singend aus der Wohnung, als wäre überhaupt nichts gewesen. Frieder liegt total kaputt zwischen Sofa und Bücherregal, blinzelt vorsichtig zur Tür, ob der Mann auch wirklich weg ist. Er kommt sich vor, als wäre er unter eine Büffelherde geraten. Er ist nicht grade der Schwächste, hat schon manche handgreifliche Auseinandersetzung für sich entschieden, aber gegen die Bärenkräfte des fremden Mannes hat er keine Chance. Immer noch benommen bleibt er am Boden liegen, lockert den zum Ersticken eng um seinen Hals gedrillten Kragen, probiert alle Muskeln und Gelenke, ob sie noch heil sind. Dann überlegt er, ob er die Warnung des Mannes ernst nehmen soll, die in Auftrag gegebenen Überweisungen nicht zurück zu nehmen, nicht die Polizei zu informieren. Ein eisiger Schauer geht ihm über den Rücken, zieht durch seinen Körper.

Wie konnte er wissen, was beim Familiengericht entschieden wurde? Überhaupt wissen, dass er sich getrennt hat? Wie kam er in die Wohnung? Die Türen sind mit einbruchsicheren Beschlägen ausgestattet, die Alarmanlage ist eine der neuesten Ausführungen, die es gibt. Wird er wirklich zurück kommen, wenn er sich nicht entsprechend verhält? Kann ihn die Polizei vor ihm schützen?

Diese Gedanken rasen durch Frieders Hirn, lassen ihn erschauern. Als es an der Tür klingelt, zuckt er zusammen. Sein Herz setzt fast aus, der Hals wird knochentrocken. Mit der verschmierten Hose kann er unmöglich öffnen. Die verbeulte Nase und die Schnittwunde an der Hand müssen aber versorgt werden. Er sollte schon sehen, dass er ins Krankenhaus kommt.

Sein Körper schmerzt von Kopf bis Fuss, als er sich mühsam aufrappelt, ins Bad schlurft, um die Hosen auszuziehen. Auf dem Weg ins Schlafzimmer klingelt es zum zweiten Mal.

„Einen Moment,“ ruft er kurz. Sein Herz beginnt zu rasen und es wird ihm elendig schlecht.

´´Was ist, wenn der Kerl draussen steht? Aber er war ja schon in der Wohnung. Es muss jemand anders sein.´´

Der Gedanke macht Frieder panische Angst. Zitternd wickelt er das Taschentuch um die verletzte Hand, holt eine frische Unterhose aus dem Regal, zerrt sie mit der unverletzten Hand hoch, schleicht dann vorsichtig an die Tür. Durch den Spion sieht er, dass es der Nachbar von gegenüber ist. Er hatte ihn gebeten, aus dem Getränkefachmarkt eine Kiste Rotwein mitzubringen, der seit zwei Tagen im Angebot ist. Der Nachbar wird kreidebleich, als er Frieder mit seiner verbeulten Nase und der blutenden Hand sieht.

„Um Gottes Willen, Frieder, was ist passiert?“ fragt er mit heiserer Stimme.

„Ich bin überfallen worden, als ich vom Büro nach Hause gekommen bin,“ antwortet Frieder.

Dass er mit dieser Aussage zum Teil bei der Wahrheit geblieben ist, beruhigt ihn ein wenig, nachdem er zuerst an die Warnung des Mannes denken musste.

„Können sie mich in´s Krankenhaus fahren? “

„Klar doch,“ beruhigt ihn der Nachbar, stellt die Weinkiste in den Flur, „ kommen sie, ich mach ihnen einen Verband, helfe ihnen beim Anziehen.“

Kurze Zeit später sitzt Frieder in der HNO Abteilung des städtischen Krankenhauses, wartet auf den Arzt, der ihm die Röntgenbilder erklären soll. Die Schnittwunde an der Hand ist genäht und verbunden. Er spürt einen pochenden Schmerz, gegen den er noch nichts nehmen soll, bis der Arzt mit ihm gesprochen hat. Völlig zerschlagen und müde lehnt er sich in dem Liegewagen zurück, überlegt noch mal, ob er sich nicht doch entschiedener und vor allem schneller hätte wehren sollen. Aber dann wird ihm klar, dass er dadurch noch mehr Prügel bekommen hätte. Wieder packt ihn der eisige Schauer, geht ihm durch Mark und Bein. Das gespenstische Leuchten in den Augen des Mannes kommt ihm wieder in den Sinn.

„Guten Tag Herr Schubert,“ holt ihn der Arzt aus seinen Gedanken zurück. Mit einem ernsten Gesicht klemmt er die Röntgenaufnahmen an den Lichtkasten.

„Sie haben Glück gehabt. Es ist nichts gebrochen, hätte aber auch ganz schön daneben ….“

„Ja, ich hab´s bei einem Unfall schon mal gesehen,“ unterbricht Frieder den Arzt mit dem eisigen Schauer auf dem Rücken, „ein vorstehender Ast hat einem Autofahrer das Nasenbein in´s Gehirn gedrückt, er war auf der Stelle tot.“

„Der Täter muss ein erfahrener Kampfsportler sein, Boxer oder Kickboxer,“ erklärt der Arzt. Nach einem aufmunternden Klaps auf die Schulter steckt der Arzt die Röntgenbilder in ein Kuvert, gibt Frieder noch eine kühlende Salbe mit.

„Tragen sie morgens und abends diese Salbe auf, sie wirkt kühlend, nimmt ihnen die Schmerzen. Morgen seh ich sie mir noch mal an.“

Als Frieder mit seinem Nachbarn aus der Ambulanz raus gehen will, kommt ihm ein Mitarbeiter der Krankenhausverwaltung entgegen, legt ihm ein Formular für seine Krankenversicherung zur Unterschrift vor. Wenn Frieder etwas hasst, dann Formulare von Krankenversicherungen. Obwohl er jeden Tag zig Versicherungen verkauft, kann er es nicht abhaben, wenn es ihn selber betrifft.

„Was muss ich hier ankreuzen?“ fragt er den Angestellten mürrisch.

„Wenn es ein Unfall war, müssen sie ja ankreuzen,“ klärt ihn der freundlich auf, „dann wird ihre Versicherung den Verursacher auf Regress verklagen.“

Daran hat Frieder gar nicht gedacht. Wenn die Versicherung klagt, kann ihm der Mann nichts anhaben, sollte er davon erfahren. Vielleicht wird sich dann auch eine Möglichkeit finden, den eingerichteten Dauerauftrag zu löschen.

Freudig unterschreibt er das Formblatt, nachdem er das ja angekreuzt hat.

„Vielen Dank,“ verabschiedet sich der Krankenhausangestellte, drückt ihm einen Durchschlag in die Hand.

´´Sehr gut,´´ jubelt Frieder im Stillen, sein Kampfgeist erwacht wieder,´´dann bin ich aus dem Schneider.´´

Dass er sich damit keinen Gefallen getan hat, sollte er sehr bald feststellen, das Häkchen auf dem Formblatt bitter bereuen. Der Nachbar rät ihm auf dem Heimweg auch, die Polizei einzuschalten, macht ihm Hoffnung auf ein sattes Schmerzensgeld. Um aber an ein sattes Schmerzensgeld zu kommen, muss der Täter erst mal gefasst, ihm die Tat nachgewiesen werden. Daran denkt Frieder in seiner Euphorie nicht, obwohl er es als Versicherungsmann wissen müsste. Auch nicht an die Tatsache, dass der Fremde entsprechend vorgesorgt hat, wie angekündigt wiederkommt.....

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Kommentare

Admin Foto: superkong / photocase.com
19|02|2015, 10:26

  • SCHWAMM DRÜBER
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