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Opa ist verschwunden

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„Ups.. eine Harley für elf fünf ??“ bleibt Phil am Schaufenster von Custum Bike Händler Matze stehen, an dem er immer wieder auf seiner Spazierrunde vorbei geht, um ein wenig „ Stallluft “ zu schnuppern. Eine Harley Davidson ist schon lang sein Wunschmotorrad. Er hat sich diesen Wunsch seither nicht erfüllt, weil die Maschinen preismässig ein Stück weit über dem liegen, was er sich leisten kann und auch will.

Die zwei Maschinen hier sind aber mit elf fünf durchaus in dem Bereich des Möglichen. Neugierig geht er in den Laden, um sich zu erkundigen, ob der Preis nicht ein Schreibfehler ist und sich die Maschinen näher anzusehen. Beide sind in dem dunkleren rot, rot/schwarz, das ihm gut gefällt. Die beiden Harleys, die Phil´s Herz schneller schlagen lassen.

Matze, der Inhaber des Geschäfts steht hinter dem Tresen, sortiert Regale aus, in denen er Prospekte, Zeitschriften, Pins und Aufnäher anbietet. Er beobachtet Phil ein paar Minuten, um abzuschätzen, ob er wirkliches Kaufinteresse hat oder nur mal kucken will.

Phil´s Herz schlägt mit jedem Schritt, den er um die Maschinen geht, schneller. „... elf fünf...“ denkt er sich, kratzt sich am Kopf, „... das ist günstig...“ geht weiter um die Grössere der beiden Maschinen rum. Sie hat grössere Koffer, wirkt dadurch mit der einfarbigen Lackierung wuchtiger, als die andere Maschine im zweifarbenen Rot / Schwarz.

„Nimmst du Gebrauchtmotorräder in Zahlung, wenn ich Eine von den Beiden Maschinen nehme?“ fragt er spontan. „Es kommt drauf an, was du drangeben willst,“ kommt Matze hinter dem Tresen vor. Er freut sich, dass sein Gefühl ihn nicht getäuscht hat, Phil wirklich Interesse an einer der beiden Maschinen hat. „Für die Grosse hier würde ich meinen Oldie in Zahlung geben,“ entschliesst Phil sich, sich von seinen Heinkel Tourist zu trennen. „Eine BMW R 100 S und meinen Heinkel Roller. Die BMW ist Baujahr achtzig, der Roller einundsechzig.“

„Ja, da wär ich interessiert,“ kratzt nun Matze sich am Kopf, „ aber ich denke, die Beiden bringen keine elf fünf.“ „Was noch fehlt, würde ich finanzieren,“ bietet Phil an. „Wieviel hast du dir für die BMW und den Heinkel vorgestellt?“ fragt Matze.

„Für den Heinkel hab ich noch einige Ersatzteile, original Heinkel Teile, keine Nachbauten,“ erklärt Phil, „wenn ich die dazu gebe, viereinhalb, für die BMW sechs. Sie ist in einem sehr schönen Originalzustand, hat erst achtundzwanzig tausend runter.“ „Das wären zehn fünf,“ überlegt Matze, „ und welche würdest du nehmen?“ „Die mit den grossen Koffern,“ zeigt Phil auf die Maschine, „ die Zweifarben Lackierung der Anderen gefällt mir nicht so gut. Hat auch kleinere Koffer.“

„Ja, die Road King stellt was dar, stimmt Matze zu, „die Street Bob ist auch eher was für Mädels. Am besten, du kommst mit deinen Beiden vorbei, dann unterhalten wir uns über den Preis.“ „Von dem Heinkel fällt es mir schon schwer, mich zu trennen,“ reibt Phil sich das Kinn, „ aber ich kann nur mit einem Fahrzeug fahren. Hab auch keine grosse Lust mehr, auf Oldtimer Treffen zu fahren.“ „Na dann bring ihn mal her, vielleicht behalte ich ihn für mich selber. Hab auch ein paar Oldies,“ zeigt Matze in eine Ecke, in der mehrere Fahrzeuge unter Tüchern abgedeckt stehen.

Heinkel Tourist Baujahr 1961, ihn will Phil nach 40 Jahren in Zahlung geben.

BMW R 100 S Auch die Maschine will Phil für die Harley in Zahlung geben „Gehst du in Rente oder warum ziehst du hier aus?“ fragt Phil neugierig. „Ich hab Buell mit dazu genommen, brauch grössere Ausstellungsräume. Will auch zwei weitere Montageplätze einrichten, vielleicht noch einen Mechaniker einstellen. Mal sehen.“ „ Hast du schon was Passendes gefunden?“ fragt Phil interessiert.

„ Ja, ich zieh in die Halle vom ehemaligen Auto Maier. Hab mich mit dem Senior geeinigt, bevor sein Sohn alles verkaufen konnte. Da sind auch bessere Sozialräume, Parkplätze und die Lage ist wesentlich besser als hier.“ „Steht der Eröffnungstermin schon fest?“ „Ja, am ersten August werd ich eröffnen. Es sei denn, mir kommt was Dummes dazwischen.“ Noch einmal geht Phil um die Road King, setzt sich drauf, wie sie ihm liegt.

„Liegt gut in der Hand,“ stellt er die Füsse auf den Boden, probiert Hebel und Schalter aus. „Das ist eine der letzten Maschinen vor dem Jubiläumsmodell zweitausend drei. Hat aber schon den überarbeiteten Motor mit sechsundsechszig PS, einen Einspritzmotor. Den fährst du mit fünf, sechs Litern. “

„Gut, dann trab ich nach Hause, hol den Roller,“ steigt Phil von der Maschine ab, „ darf ich sie Probe fahren?“ „Klar doch. Sie ist zugelassen. Fahr selber immer wieder mit ihr,“ stimmt Matze zu, „bis in einer Stunde hab ich eine Ladung zusammen, fahr sie ins neue Geschäft rüber. Dann müsstest du in die Neumann Strasse kommen.“

„Denke, ich bin vorher zurück,“ geht Phil aus dem Laden, immer noch im Zweifel, ob er seinen Heinkel Roller wirklich abgeben soll. Auf den Oldie Treffen sind fast immer dieselben Leute, Fahrzeuge, Maschinen und andere alte Sachen, die zu sehen sind, kennt er. Zudem hat er den Roller im vergangenen Jahr gar nicht gefahren, muss abwarten, ob er sich mit den alten Batterien überhaupt starten lässt. Zu Hause angekommen, sieht er nach, ob seine Frau Candy schon zurück ist, findet auf dem Küchentisch einen Zettel: bin etwa um neunzehn Uhr zurück.

In der Garage holt er den Heinkel aus seiner Ecke, prüft den Luftdruck, baut die Zündkerze aus, reinigt sie gründlich, stellt mit der Messlehre den Elektrodenabstand ein. Wie erwartet, macht der Motor keinen Ruck, obwohl die Ladekontrolleuchte an ist. Gespannt nimmt Phil den Roller vom Ständer, schiebt ihn mit eingeschalteter Zündung und eingelegtem zweiten Gang über den Hof.

Obwohl er ein Jahr nicht gefahren worden ist, tuckert der Motor schon nach wenigen Metern los. Phil hält ihn am Gas, fährt langsam die Zufahrt auf die Strasse raus. Ein paar Minuten lässt er den Motor laufen, bevor er Helm, Jacke und Handschuhe holt, um ein Stück zu fahren. Bereits auf den ersten Kilometern entschliesst er sich, den Roller nicht zu verkaufen. Vierzig Jahre sind eine lange Zeit. Er hat sich auch an die Macken der Handschaltung gewöhnt und so fährt er in die Garage zurück, um die BMW startklar zu machen. ´´ Vielleicht legt Matze noch was drauf, wenn er sieht, in welch super guten Originalzustand sie ist..´´ denkt Phil sich, während er in die Werkstatt fährt.

„Bringst du die BMW als Erstes?“ fragt Matze, geht um das Motorrad herum, als er den Originalzustand bemerkt. Er weiss, dass die alten Zwei Ventil Boxer von BMW begehrt sind, ihren Wert behalten. Nur die hundert S noch nicht. Sie hat gegen die Vorgängermodelle neunundsechzig S und neunzig S keinen leichten Stand. ´´ Aber der wunderbare Originalzustand...´´ reibt Matze sich das Kinn, geht noch eine Runde um die BMW herum, ´´.. die sollte ich behalten...irgendwann steigt sie im Wert..´´

„Was wolltest du nochmal für die BMW haben?“ fragt er, als wüsste er nicht mehr, um wieviel es vorhin ging. Phil hat gemerkt, dass Matze grosses Interesse hat, mit der Tatsache rechnet, die alten Boxer BMW behalten ihren Wert und irgendwann ist auch die hundert S so begehrt wie die Vorgängermodelle. „Schätze, sie bringt sechs, sechseinhalb tausend, wenn ich sie ausschreibe,“ stellt er den Preis in den Raum. „Ok, ich geb dir sechs,“ bietet Matze Phil die Hand an, „das ist es mir wert.“ „Einverstanden,“ schlägt Phil ein, holt die Fahrzeugpapiere aus seiner Jacke.

„Mit dem Heinkel musst du in die Neumannstrasse kommen,“ deutet Matze auf seinen voll beladenen Transporter, „ bin früher fertig geworden.“ „Bei dem Roller hab ich vorhin die Luft nachgesehen, die Zündkerze gereinigt... nach zwei Metern Anschieben, sprang der Motor sofort an....“

„Also kriegst du es nicht übers Herz, ihn zu verkaufen,“ vervollständigt Matze den Satz. „Ja, ich behalte ihn. Kriegs nicht fertig, ihn nach vierzig Jahren weg zu geben. Werd mein Sparbuch plündern und den Rest finanziere ich.“

„In Ordnung,“ klopft Matze Pil auf die Schulter, „ komm mit ins Büro. Dann machen wir den Vertrag fertig.“ Wenige Minuten später ist Phil stolzer Besitzer einer Harley Davidson Road King. Matze hat ihm die Papiere mitgegeben, damit er die Maschine am nächsten Tag ummelden kann. „Den Rest bringst du mir die nächsten Tage in der Neumannstrasse vorbei. Denke, ich werd da die meiste Zeit sein.“

Nach weiteren Minuten hat Matze Phil erklärt, auf was er achten muss, wenn die Maschine im Kalt und Warmzustand gestartet wird, ihm gezeigt, wo Schalter, Knöpfe, Werkzeug und Zubehör sind. „Nun mach aber, dass du los fährst,“ klopft er Phil noch mal auf die Schulter, „ sonst muss ich noch heulen, wenn eine meiner Lieblingsmaschinen weg ist... gute Fahrt und pass auf dich auf.“

Phil startet die Maschine, fährt langsam aus dem Ausstellungsraum. Zu der Freude, endlich eine Harley zu fahren, kommt die, dass er seinen Oldie behalten hat. Matze sieht ihm noch ne Weile nach. Er freut sich, dass er in Phil einen Kunden bekommen hat, der wirklich Harley Liebhaber ist, sich nicht nur drauf setzt und Trockenübungen macht.

Auf dem Zubringer zur Schnellstrasse entschliesst Phil sich, auf die alte Bundesstrasse zu wechseln, auf der er viele Jahre in die Kaserne gefahren ist, als er noch bei der Bundeswehr war. Glücklich und zufrieden fährt er gemütlich durch die vielen Kurven, betrachtet die Obstgärten und dazu gehörenden Hütten, fühlt sich um Jahre zurück versetzt. Erinnerungen kommen in ihm auf. Erinnerungen an eine schöne Zeit, die er gern noch mal erleben möchte. Am Ende der alten Bundesstrasse entschliesst er sich spontan, weiter zu fahren, um sich in der Stadt umzusehen, in der er vor über dreissig Jahren bei der Bundeswehr stationiert war.

Die Zufahrt an der Iller entlang ist bis auf zwei neue Fussgängerbrücken wie damals. Wie vor achtunddreissig Jahren fährt Phil in die alte Landstrasse, will an das Tor der Kaserne fahren, in der er seine Grundausbildung gemacht hat. ´´... was ist denn da passiert??? ´´´fragt er sich, als weder vom Tor, noch von den Gebäuden was zu sehen ist, in denen die Wache war. Fahrzeughallen, Werkstätten, Garagen... ausser den grossen Wohnblocks ist nichts mehr da.

„Hallo guten Tag, was ist denn da passiert?“ fragt er eine junge Frau, die mit einem grossen Hund den Gehweg entlang kommt, „ gibt es die Kaserne nicht mehr?“ „Die ist schon lang aufgelöst,“ antwortet die Frau, „ sind nur noch die grossen Wohnblocks da. Aus denen hat die Stadt Sozialwohnungen gemacht. Waren sie in der Kaserne als Soldat?“

„Ja, ist zwar schon einige Jahre her,“ antwortet Phil, „ bin aber trotzdem verwundert, dass nichts mehr da ist, das ich noch kenne.“ „Die Bundeswehr hat alles in der Kaserne am Berg oben verlegt,“deutet die Frau auf den Hügel. „ In der Kaserne fand damals die Schiessausbildung mit der Pistole statt, berichtet Phil. Was von Phil´s ehemaliger Kaserne übrig geblieben ist.

„Sie waren schon lang nicht mehr da?“ fragt die Frau. Sie kann Phil gut verstehen, wenn man nach vielen Jahren an einen Ort zurück kommt, an dem man sich wohl gefühlt hat und so gut wie nichts mehr da ist. „Ich hab hier vor achtunddreissig Jahren meine Grundausbildung gemacht. War eine schöne Zeit. Muss zugeben, dass es mich hart trifft, wenn ich jetzt sehen muss, es ist nichts mehr da von damals.“ „Das kann ich gut verstehen,“ stimmt die Frau zu, „ich hab in der Küche gearbeitet, bis die Kaserne aufgelöst wurde.“ Mit einem wehmütigen Gefühl im Herz lässt Phil seinen Blick über die umgebauten Wohnblocks gleiten.

„In dem Block ganz hinten, im zweiten Stock, das dritte und vierte Fenster, das war unsere Stube, zweihundertacht.“ Der Hund, mit dem die Frau spazieren geht, kommt neugierig zu Phil, schnüffelt an seiner Hand, nachdem er einen Busch gründlich inspiziert hat.

„Dein Frauchen ist auch traurig, dass es die Kaserne nicht mehr gibt,“ streicht er ihm über den Kopf. Genüsslich grummelnd schmiegt der Hund sich an Phil, geniesst seine Streicheleinheiten. „Das ist Franz, der Dritte,“ erklärt die Frau, „wir kommen immer wieder hier her, schwelgen in Erinnerungen. Anfangs hat mein Mann mich nach der Arbeit abgeholt.“ „Und jetzt tut er es nicht mehr?“ fragt Phil. „Er sieht uns von oben zu,“ deutet die Frau in den Abendhimmel, „ ein betrunkener Autofahrer hat ihn und Franz den Ersten überfahren.“ Als die Frau zu weinen beginnt, nimmt Phil sie in den Arm, drückt sie an sich.

Obwohl sie sich erst vor wenigen Minuten getroffen haben, empfindet er eine tiefe Zuneigung zu ihr, kann nachvollziehen, was sie mit dem tragischen Tod ihres Mannes durchgemacht hat. Den Hund, Franz den Ersten, vermisst sie sicher genauso. „Wir waren damals in einem Gut Gstör, ein Übungsgelände, gibt’s das noch?“ fragt er, um die Frau abzulenken.

„Ich hab immer wieder gehört, wie die Soldaten sich drüber unterhalten haben, kann aber nicht sagen, ob es noch existiert.“ „War eine schöne, lustige Zeit, die wir da verbracht haben. Ab und zu kamen wir uns vor wie Kindergartenkinder, die mit den Erzieherinnen im Schnee buddeln,“ erzählt Phil, „ heute weiss ich durch meine Enkel, dass es gar nicht so verkehrt war, zu lernen, wie man sich im Winter bei Minusgraden ein Schneehaus baut, Säcke mit Schnee füllt, die als Kugelfang dienen sollen.“ „Sie haben Enkel?“ fragt die Frau interessiert.

„Ja, drei. Sind richtige Rabauken.“ Bevor er weiter erzählen kann, merkt Phil, wie die Frau noch trauriger wird, als vorher. „Meine Kinder leben in den USA. Ich sehe sie und die Enkel, wenn sie im Urlaub oder in den Ferien zu Besuch kommen,“ erklärt sie. „Wenn es nicht schon so spät wär, würde ich sagen, fahren wir zum Gut Gstör raus, sehen uns um,“ schlägt Phil spontan vor. „Das ist eine gute Idee,“ stimmt die Frau zu, „ Franz würde sich auch freuen, wenn er mal woanders schnüffeln kann. Aber sie haben recht, es ist zu spät. Bis wir da draussen sind, wird’s fast schon dunkel.“

„Au Mann,“ fasst Phil sich an den Kopf, „ ich hab total die Zeit vergessen. Hab mir die Maschine gekauft, wollte eigentlich nur eine kleine Runde fahren,“ deutet er auf die Harley. „Mein Mann hat auch ne Harley gefahren,“ berichtet die Frau, „ steht noch zu Hause in der Garage. Ich habs nicht übers Herz gebracht, sie zu verkaufen. Dachte immer wieder, ich fahre sie selber.“ Phil freut sich, wie ein Strahlen über das Gesicht der Frau zieht.

„Ich muss unbedingt ne SMS nach Hause schreiben. Die haben keine Ahnung wo ich bin.“ = Hab mir ein anderes Motorrad gekauft = bin auf Probefahrt = mach dir keine Sorgen = bin in Kempten gelandet = werde vielleicht übernachten = P

„So und ab damit,“ drückt er an seinem Handy auf Senden, „ wenn sie ne Harley haben, lassen sie uns morgen eine Runde fahren,“ bietet er spontan an. „Irgendwie hab ich schon grosse Lust zu fahren,“ stimmt die Frau zu, „es fehlt nur der letzte Drücker.“ „Und den gibt’s morgen von mir,“ nimmt Phil die Frau in die Arme, drückt ihr einen Kuss auf die Wange, „ ich bin Phil.“

„Cindy,“ gibt die Frau ihm den Kuss zurück, „Franz wird nicht begeistert sein, wenn er so lang allein bleiben muss, aber ich denke, wenn ich dich als Triebfeder hab, schaff ich es, die Harley wieder in Betrieb zu nehmen.“ „Prima,“ reibt Phil sich die Hände, „wo kann ich hier übernachten? Motorradfahrer sind nicht in jeder Gaststätte willkommen.“ „Du kannst bei mir übernachten,“ bietet Cindy an, „ ich hab genug Platz und die Harley kannst du in der Garage stellen.“

„Das ist gut,“ freut Phil sich, „ ich fahr langsam hinter dir her.“ „ Ich hab da unten mein Auto stehen. Wenn ich hier her komme, parke ich da, geh mit Franz durch Wiesen am Fluss entlang.“ „Wohnst du in der Stadt?“ „Nein. Mein Mann hat gut verdient. Wir haben uns ein kleines Haus mit Garten etwas ausserhalb der Stadt gekauft. Warte hier, ich geh zum Auto, komm her, dann kannst du hinter mir her fahren.“

Hundertsechzig Kilometer weiter nördlich sitzt Candy im Wohnzimmer, sieht zum x ten mal auf ihr Handy, ob eine sms von Phil angekommen ist. Sie hat, als sie vom Einkaufen nach Hause gekommen ist, gesehen, dass die BMW weg ist, der Roller nicht mehr in seiner Ecke steht. Anscheinend hat Phil seine Zweiräder in Betrieb genommen, ist mit der BMW unterwegs.

Das war aber schon vor über zwei Stunden. Es wird schon langsam dunkel und in der Dunkelheit fährt Phil nicht so gern. Besorgt geht sie zu Nachbar Schreiter rüber, um ihn zu fragen, ob er was mitbekommen hat. Doch der hat auch nur gesehen, dass Phil seinen Oldie über den Hof geschoben hat, kurz drauf mit seiner BMW weg gefahren ist. Auch seine Freunde, mit denen er immer wieder unterwegs ist, wissen nicht, wo er ist, haben ihn nicht gesehen.

´´ verflixt, in der Nacht fährt er doch nicht gern´´ fragt Candy sich zum wiederholten Mal, ´´ ist vielleicht was passiert und er wurde nicht gefunden.. ´´ Aber dann leuchtet ihr ein, dass er seine Papiere dabei hat, wenn er unterwegs ist. So wüsste die Polizei auf jeden Fall, wen sie benachrichtigen muss. Bis nach zweiundzwanzig Uhr geht Candy aufgeregt und nervös durch die Wohnung, sieht immer wieder auf ihr Handy.... nichts, keine Nachricht von Phil.

Um Mitternacht nimmt sie schliesslich eine Tablette, um wenigstens ein paar Stunden schlafen zu können, bevor sie sich am Morgen auf die Suche macht, Freunde um die Polizei um Hilfe bittet.

Während Candy angefangen hat, sich Sorgen zu machen, fährt Phil hinter Cindy´s BMW Touring her zu ihrem Haus. Wie sie es beschrieben hat, liegt es am Stadtrand, umgeben von einem Wiesengrundstück, in dem Cindy´s Mann angefangen hat, einen Teich anzulegen. Hund Franz springt aus dem Auto, umkreist Phil mit freudigem Gebell. „Na, willst du mir zeigen, wo du zu Hause bist..“ krault er ihn am Bauch. Cindy freut sich, wie der Hund Phil angenommen hat. Normal ist er Fremden gegenüber sehr misstrauisch, lässt sich lang nicht anfassen. Mit Phil tobt und spielt er, als wären sie die besten Freunde.

Mit etwas Herzklopfen senkt sie an den kommenden Tag, fragt sich, ob sie es mit Phil´s Hilfe schafft, die Harley wieder zu fahren. Seit ihr Mann verünglückt ist, hat sie sich nur drauf gesetzt, in der Einfahrt den Motor laufen lassen, die Maschine wieder in die Garage geschoben.

Neugierig geht sie um Phil´s Maschine, fragt sich, wie es wohl wäre, mit ihm als Sozia zu fahren. ´´.. na, ich denke, morgen werd ichs wissen...´´geht sie freudig ins Haus, um was zu Essen zu richten. Phil und der Hund spielen und toben immer noch im Garten, als sie den Tisch komplett gedeckt hat. „Hei ihr Zwei, kommt rein Abendessen,“ ruft sie zur Tür raus.

„Kommst du mit, Frauchen hat was zu Futtern gerichtet?“ fragt Phil den Hund, der mit den Vorderpfoten, den Kopf gesenkt, das Hinterteil hoch aufgestellt, drauf wartet, dass Phil versucht, das dicke Seil zuerst zu erwischen. „ ufffzzmmhhffff wuff wuff..“ anwortet der Hund, trottet neben Phil ins Haus, sieht prüfend in seinen Napf, was Leckeres drin ist. Dann macht er erst mal seinen Wassernapf leer.

Hund Franz der Dritte schläft glücklich und zufrieden, und man meint sogar ein Lächeln zu sehen.

Cindy und Phil machen es sich am Tisch gemütlich. „Trinkst du ein Glas Wein mit mir, wenn du heute nicht mehr fahren musst?“ „Ja gern, das passt genau zu dem Brot und Schinken.“ Während dem Essen unterhalten sie sich über die Zeit, die sie in der ehemaligen Kaserne verbracht haben, stellen immer wieder fest, dass sie einige gemeinsame Hobbys und Interessen haben.

Während sie sich am nächsten Morgen mit Cindy´s Harley beschäftigen, sich auf eine gemeinsame Ausfahrt freuen, bei der Cindy eventuell als Sozia mitfährt, ruft Candy ihre Freunde noch mal durch, bevor sie zur Polizei geht, um eine Vermisstenanzeige aufzugeben. Wie sie befürchtet hat, weiss niemand, was mit Phil sein könnte und wo er steckt. „Ihr Mann ist sicher mit seiner BMW unterwegs, hat die Zeit vergessen,“ versucht der diensthabende Beamte, Candy zu beruhigen. „Aber dann hätte er mir sicher Bescheid gegeben. Sein Handy hat er immer dabei, wenn er unterwegs ist.“

„Mag schon sein,“ reibt der Beamte beruhigend Candy´s Hand, „ vielleicht hat er eine Nachricht geschickt oder versucht, sie anzurufen, hat aber keinen Empfang, nicht genügend Sendeleistung.“ „Ich mach mir solche Sorgen.“

„Hei Lady, laden sie sich doch ein paar Freunde auf eine Tasse Kaffee ein, besprechen mit denen, was sie noch tun können. Ich melde mich bei ihnen, sobald ich was weiss.“ 10 „Danke, ja, das werd ich tun,“ nimmt Candy ihre Jacke, „ ist eine gute Idee.“ Drei ihrer Freunde kommen spontan, um sich mit ihr zu beratschlagen. Candy hat Kaffee gemacht, etwas Gebäck bereit gestellt.

„Das kenn ich von Phil nicht, dass er so mir nichts dir nichts weg ist, nichts hinterlässt, wo er zu erreichen ist, keine Nachricht, nichts,“ grübelt Freundin Mary, mit der Candy sich am besten versteht, „und du hast keine Ahnung, keinen Anhaltspunkt, wo er sein könnte?“ „Nein, nichts, absolut nichts,“ schüttelt Candy den Kopf, „ich hab nur gesehen, dass er den Roller gerichtet hat, die BMW weg ist.“

„Hmm, wenn was passiert wäre, dann hätte die Polizei längst Bescheid gegeben,“ bemerkt Mary. „Jetzt lassen wir uns erst mal die Plätzchen hier schmecken, geniessen deinen wunderbaren Kaffee,“ versucht Freundin Liane Candy abzulenken. Nach drei Stunden kommt Rudi, Liane´s Mann dazu.

„Candy, hat Phil seine BMW verkauft?“setzt er sich an den Tisch, nimmt einen Keks. „Ich hab keine Ahnung, weiss nur, dass sie nicht in der Garage steht, Phil seit gestern Nachmittag weg ist, niemand weiss, was los ist.“ „Ich hab die BMW bei Matze in der Ausstellung gesehen, gefragt, ob er jetzt auch BMW Motorräder verkauft. Matze hat erzählt, Phil hat sie gegen eine Harley in Zahlung gegeben, ist gestern Nachmittag in Richtung alte Bundesstrasse gefahren.“

„Eine Harley?“ sieht Candy Rudi erstaunt an, „und er gibt seine BMW in Zahlung?“ „Ja, von einer Harley schwärmt Phil doch schon ewig. Vielleicht hat er bei Matze eine Günstige gefunden, ist mit ihr unterwegs, hat die Zeit vergessen.“ Ja, schön und gut,“ stimmt Candy zu, „ aber warum gibt er mir dann nicht Bescheid?“ „Denke, das wird er dir sicher gleich selber sagen,“ deutet Rudi in die Zufahrt, „ das ist unverkennbar eine Harley.“

Tatsächlich kommt Phil mit seiner Harley die Einfahrt rauf gefahren. Candy stürmt auf ihn zu, trommelt mit den Fäusten gegen seine Brust. „Hei, wo warst du denn... ich hab mir solche Sorgen gemacht...“ „Dass ich mir eine Harley gekauft hab, siehst du ja...hmmm... und wo ich war, müsstest du eigentlich wissen. Hab dir ne sms geschickt.“

„Ich hab keine sms bekommen,“ trommelt Candy weiter. „Na, dann lass uns erst mal ne Tasse Kaffe trinken, dann erklär ich dir alles,“ nimmt Phil seinen Helm ab, zieht Jacke und Stiefel aus....

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Kommentare

Admin Foto: mattes1981 / photocase.com
18|02|2015, 09:48

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