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Mama wünscht sich einen Hund

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Mama wünscht sich einen Hund

Wir sind eine, so denke ich, zufriedene Patchwork-Familie.

Ich liebe meine Frau und habe sie sogar nach zehn Jahren Beziehung geheiratet.

Auch ihre Kinder habe ich in mein Herz geschlossen und ihnen versucht in dieser Zeit ein guter Vaterersatz zu sein. Ob es mir gelungen ist, wird sich erst in einigen Jahren herausstellen.

Eigentlich sollte ich der glücklichste Mann auf Erden sein. Ich habe eine tollen Job, ein Haus und eine Familie, die mich ausfüllt.

Nur das ständige Gejammer meiner Frau geht mir auf die Nerven.

Der Gegenstand unserer Diskussionen ist ein Hund.

Es ist nicht nachvollziehbar warum jemand so fixiert ist ein Tier haben zu müssen.

Wahrscheinlich ist es das Mutter-Syndrom.

Die Kinder sind aus dem Kuschelalter heraus und so muss eben ein Tier dafür herhalten.

Ich kann wirklich nicht abstreiten, dass meine Frau Hunde magisch anzieht.

Als wir vor einigen Wochen einkaufen waren, hatte sich ein kleiner Pinscher von seiner Leine gerissen und kam in den Markt gelaufen.

Erst lief er ziellos, nach seinem Herrchen suchend, durch die Reihen.

Dann trafen sich die Blicke zwischen dem Hundetier und meiner Frau.

Als hätte sie Speck in den Taschen, kam er auf sie zugelaufen und blieb an ihren Fersen kleben.

Mama' s Hände schossen sofort nach unten und schon saß der kleine Scheisser auf ihrem Arm und genoss die Aussicht.

Während ich mich also um den restlichen Einkauf kümmerte, brachte sie das hechelnde Bündel zur Information.

Nach geraumer Zeit kam meine Frau zurück und den restlichen Tag musste ich mir Vorträge über den perfekten Familienhund anhören.

Ich ahnte nichts Gutes. Und so kam es dann auch.

Tag für Tag studierte meine geliebte Frau das Internet, auf der Suche nach Hundewelpen.

„ Schau mal hier, Schatz. Wie findest du denn den? Ist der nicht süß.”

Oder

„Was würdest du zu Dem hier sagen?"

Na klar, alle Welpen sind süß, aber auch die müssen erzogen werden und brauchen viel Aufmerksamkeit.

Glauben sie mir, ich habe mir den Mund fusselig geredet, um sie davon abzubringen.

Irgendwann hatte ich es geschafft.

Das brachte mir allerdings zwei Tage lang den Unmut meiner Süßen ein.

Ich dachte, das Thema Hund hätte sich erledigt, aber weit gefehlt.

Nach ein paar Wochen kam sie auf eine andere glorreiche Idee.

Eines Abends lagen wir eng aneinander gekuschelt in unserem Bett. Ich war schon kurz vor dem Einschlafen, als ich merkte wie mich mein Weib anstarrte.

Also fragte ich was los sei.

„ Schatz, wie wäre es, wenn wir uns einen Hund aus dem Tierheim holen? "

Müde wie ich war, wollte ich jeglicher Auseinandersetzung aus dem Weg gehen und antwortete:

„ Dann schau doch mal. Vielleicht findest du ja den Perfekten."

Ich bekam einen dicken Kuss und wurde in meinen verdienten Schlaf entlassen.

Am nächsten Morgen sah ich sie total zerschossen vor ihrer Tasse Kaffee sitzen.

„ Sieh mich nicht so an! Ich habe die halbe Nacht im Netz verbracht.", fauchte sie mich an.

„ Und hast du etwas Spannendes gefunden?"

Mein Frau schüttelte enttäuscht den Kopf.

Das hätte ich ihr gleich sagen können. Diesen Hinweis verkniff ich mir aber.

Es dauerte nicht lange bis auch unsere Tochter mitbekam, wonach Mama suchte.

Von dem Fieber angesteckt, strapazierte sie genauso meinen Geduldsfaden.

Einige Zeit später schaute ich täglich in die traurigen Augen meiner Frau und ich knickte ein.

Auf einer Webseite suchte ich nach einem nicht haarenden und nicht bellenden Hund.

So landete ich bei einem Shih Tzu, der um die zehn Wochen alt und laut dem Besitzer bereits stubenrein war.

Da unsere Tochter bald zwei Wochen Ferien haben würde, dachte ich, es wäre die beste Zeit um den Kleinen an uns zu gewöhnen.

Als ich meiner Frau die Webseite zeigte, fiel sie mir mit einem Seufzer um den Hals.

Sofort setzte sie sich mit dem Besitzer in Verbindung und verabredete einen Termin.

Zwei Tage später sollte es soweit sein.

Der Abend vor unserem Treffen beschlichen mich die Ängste eines werdenden Vaters.

„ Sind wir für ein neues Familienmitglied bereit? Werden wir genügend Zeit haben, ohne den Hund zu vernachlässigen? Wird sich meine Frau auch noch um mich kümmern?"

All diese Fragen schossen mir durch den Kopf. Nie im Leben hatte ich daran gedacht meine Zweifel laut zu äußern. Schließlich wollte ich meine Liebste glücklich machen.

Nur hatte ich ihr Einfühlungsvermögen unterschätzt.

Sie bemerkte meinen Trübsinn, sprach mich darauf an und hörte nicht auf, bevor ich mich ihr öffnete.

Ganz cool sagte sie daraufhin das Treffen ab und gab so für mich ihren Traum von einem Hund auf.

Bevor ich sie in den Arm nahm, bekam ich ihre Mail vorgelesen.

Ich verbuchte den Sieg für mich, obwohl mein Respekt zu meiner Frau damit wuchs.

Aber die Geschichte ist damit noch nicht zu Ende.

Einige Zeit später erzählte ich auf der Arbeit von dem Wunsch meiner Gattin.

Und so kam es, dass ein Kollege davon Wind bekam und mich ansprach.

„ Ihr wart auf der Suche nach einem Hund? Warum hast du nichts gesagt? Meine Tochter möchte ihren abgeben, da sie sich von ihrem Mann getrennt hat."

Er zeigte mir ein Foto auf dem eine französische Bulldogge zu sehen war.

Vielleicht konnte ich ja meiner Süßen doch noch ihren Traum wahr werden lassen und beschloss ihr von meinem Kollegen zu erzählen.

Sie verabredeten sich an einem Freitag zu einem Spaziergang.

Vorher hatten wir ein Probewochenende vereinbart, um zu testen, ob der Hund zu uns passte.

Als es an der Tür klingelte, öffnete meine Frau und wurde sogleich von Daisy stürmisch begrüßt.

Ich sagte ja bereits, sie zieht Hunde magisch an.

Der Spaziergang dauerte eine ganze Weile. Ich saß derweil auf der Couch und wartete auf den Ausgang.

Als es bereits dunkel wurde, klingelte es an der Tür.

Ich öffnete und schaute meiner Frau entgegen. Ein Körbchen in der einen und Daisy an der anderen Hand.

„ Wir haben jetzt einen Hund auf Probe."

Sie strahlte über das ganze Gesicht.

Ich war heilfroh, dass die Kids bei Freunden übernachteten und die Aufregung nicht auch sie ergriff.

Zu meiner Überraschung hörte Daisy auf's Wort und sah zudem noch witzig aus.

Die nächsten vierundzwanzig Stunden würden jetzt entscheidend sein, dachte ich mir.

Ich möchte gar nicht so weit ausholen, denn ein Tag kann ganz schön lang sein.

Nachdem sich die erste Euphorie bei meiner Frau gelegt und wir es uns auf der Couch bequem gemacht hatten, bekamen wir einen Frontalangriff auf unsere Nasen.

Daisy machte es sich auf dem Teppich gemütlich und fühlte sich anscheinend auch wohl.

Plötzlich zog eine Dunstwolke zu uns herauf, die dermaßen stank, dass es kaum zu ertragen war.

Erst schoben wir es auf das Futter, aber auch nach einer Weile ließ der Geruch nicht nach.

Ich kenne meine Frau und bemerkte, wie sie von dem Gestank abgeschreckt wurde.

Es dauerte nicht lange bis die zweite Kostprobe von Daisy's Können auf uns zukam.

Immer noch auf dem Teppich liegend fing sie erbärmlich an zu würgen und kotzte uns darauf.

Während ich gelassen blieb, flippte meine Süße völlig aus und rannte in die Küche, um ein Papiertuch zu holen.

Als sie wieder zurück kam, war Daisy bereits dabei ihr Erbrochenes wieder aufzufressen.

Nun stand meine Frau, um Würde ringend, fassungslos da und würgte selber.

„ Ist das eklig.", war das Einzige, was sie dazu sagen konnte.

Am späten Abend machten wir uns zu einer letzten Runde auf, bevor wir ins Bett gingen.

Diese Nacht war nicht unsere Beste, glauben Sie mir.

Wir wurden ziemlich früh wach und waren gespannt, was uns der Tag so bringen würde.

Meine Frau ging als erste ins Bad, um uns dann einen Kaffee zu machen.

Als ich jedoch das Wohnzimmer betrat, stand sie mit einem Krepp in der Hand da und sah bleich um die Nase aus.

„ Sie hat uns zweimal ins Wohnzimmer gekackt."

Ich konnte sehen wie sich ihr ganzer Körper schüttelte, vor Ekel. Zudem roch es bei uns extrem nach Hund.

Um meiner Frau ein wenig Zeit zu lassen, schnappte ich mir Daisy und lief mit ihr eine Runde. Nach fünf Minuten war ich wieder zu Hause. Diesem Hund war es draußen anscheinend zu kalt und zog mich, kaum im Wald angekommen, wieder zurück.

Auf dem Tisch stand schon der Kaffee bereit.

Erst als sich meine Augen wieder an die Helligkeit gewöhnt hatten, fielen mir die zerwühlten Couchkissen auf und ich machte meine bessere Hälfte darauf aufmerksam.

Schlagartig stand sie auf und hielt sich die Kissen vor die Nase.

„ Die stinken auch."

Angewidert brachte sie die Beweisstücke zur Waschmaschine. Daisy hatte es sich anscheinend in der Nacht bequem gemacht und dabei unsere neue Couch kontaminiert.

Als wir endlich ungestört unseren Kaffee trinken konnten, kam das für mich Unfassbarste.

„ Ich hoffe, du bist mir nicht böse, mein Schatz. Aber der Hund muss weg! So schnell wie möglich."

Hatte sie das jetzt wirklich gerade gesagt?

Oh ja, sie hatte.

Wäre es schlimm zu erwähnen, dass ich mich darüber gefreut habe?

Der Vormittag bestand darin Daisy endlich wieder los zu werden, was sich jedoch als ein Akt größter Anstrengung herausstellen sollte.

Erst am frühen Nachmittag kam der erlösende Anruf.

So schnell, wie ich nur konnte, sammelte ich das Hundegepäck zusammen und verfrachtete es in unser Auto.

Selbst Daisy wusste nicht wie ihr geschah, denn sie hatte sich bereits vor der Terrassentür einen Platz für den Rest ihres Lebens reserviert.

Das Einzige, was von Daisy's kurzem Aufenthalt bei uns blieb, sind ein paar Fotos.

Und das ist auch gut so.

An alle Leser, die sich eventuell in der selben Zwangslage befinden.

Seid klug und macht ein Probewochenende aus, bevor Ihr einen Kaufvertrag unterschreibt.

Dazu benötigt Ihr nur einen stinkenden, haarenden und in die Wohnung kackenden, beziehungsweise kotzenden Hund.

Und lasst Euch nie zu einem Welpen überreden. Denen verzeihen Frauen nämlich alles.

Übrigens ist das Fazit meiner über alles geliebten Frau:

„ Ich wünsche mir KEINEN Hund mehr."

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Kommentare

Amelie och, es gibt aber auch ganz andere Exemplare ... Wie wäre es mit einem zweiten Versuch ;-)
01|08|2014, 11:45

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