a Project by ModernTimesMedia

 

my-story.com

Etwas lag in der Luft. Es war nicht wirklich wohlriechend, aber es stank auch nicht. Auf jeden Fall hatte Gil es noch nie zuvor gerochen. Die Bäume knarrten und wiegten sich im starken Wind. Die Blätter wurden, fast brutal, von den Ästen gerissen und flatterten geräuschvoll durch den, vom Schnee weiß gefärbten, Wald. Gil konnte sich nicht erheben, sein Körper versank in einem Schauer. Wie wenn die Hand die einschlief, fühlte es sich an, nur auf den ganzen Körper übertragen. Nicht mal die Hand konnte er heben. In seinen Ohren klingelte es. Sie schmerzten. Gil hasste kalten Wind im Zusammenspiel mit fallendem Schnee. Wenigstens war er warm angezogen. Seine Zehen durch warme Fellschuhe und seine Finger durch Leder geschützt. Die froren immer zuerst ab. Als Gil versuchte nachzudenken, dröhnte ihm der Kopf. Wo war er? Wenn dies ein Traum war, dann wollte er so schnell wie möglich aufwachen. Gil versuchte den Kopf zu drehen und zu seiner großen Überraschung gelang es. Vorsichtig wendete er sein Gesicht zu seiner rechten. So vorsichtig, als könnte es doch noch zusammen sacken und ihn wie seine Hände und Füße im Stich lassen. Er blickte sich um, sah eine Höhle, die ihn umgab und vor dem fallenden Schnee schützte. Wieder dieser Geruch! War seine Nase so verstopft, dass er ihn nicht zuordnen konnte? Natürlich war sie das, wer weiß wie lange er schon hier lag. Eine extreme Müdigkeit überkam ihn, so brutal und plötzlich, dass er für einen Moment die Augen schließen musste, doch er zwang sich wach zu bleiben. Wenn er jetzt einschlief, würde er sterben, das war klar. Erneut versuchte er sich zu erheben, doch sein Körper regte sich nicht. Wieder der Geruch! Diesmal stärker. Gil ahnte, dass sich dessen Quelle hinter ihm befand. Vorsichtig wie ein Neugeborenes drehte er seinen Kopf nach hinten bis es weh tat. Hinter ihm war Schwärze. Pure Schwärze. Die Höhle war tief und mit gefrorenem Gras und Steinen bedeckt. Kurz blitzte etwas in den Tiefen dieses schwarzen Loches auf, dann verschwand es. Gil musste den Nacken wieder entspannen, bevor er seinen Kopf erneut drehen konnte. Beim zweiten Mal sah er acht riesige behaarte Beine und acht gigantische Augen, die blitzten und direkt auf ihn herunter starrten und jede seiner Bewegungen genauestens beobachteten. Die Kreatur glitt an einem weißen Faden von der Decke auf in herab und packte ihn mit zwei seiner schwarzen Beine. Gil spürte wie das Weiß in sein Gesicht fuhr und er einfach nur in die fremden Augen starrte. Diese riesigen Bälle, in deren Schwärze er zu ertrinken fürchtete. Die Kreatur roch seltsam. Wie Fäulnis über die man Seife träufelte. Nicht wohlriechend, aber auch nicht stinkend. Gil spürte einen Stich wie von einer großen Nadel, die langsam in sein Fleisch fuhr. Er schlief ein und erwachte nicht mehr.

Sign up

oder einloggen, um alle Features zu nutzen.

Kommentare

Amelie Mir gruselt es!
07|02|2013, 14:24

  • Die Reise einer Statue
    Eine Kurzgeschichte erzählt von einem ungewöhnlichen Erzähler! geschrieben von Katja (11)
  • Der Geruch
    Der Titel sagt doch schon alles, oder nicht? geschrieben von Frederic (17)
  • Rita
    Es war einmal eine kleine Gießkanne. geschrieben von Marie (11)
  • Tief gekühlt
    Schicksalhafte Tage an denen alles funktioniert?! geschrieben von Rafael (19)
  • Jagend
    Vom erheben und dem freien Fall! geschrieben von Philip (17)
  • Meine unsere Reise
    Ein Abenteuer? Ein Gedankengang? Ein Traum? ....für manch einen wird diese Kurzgeschichte sehr ärgerlich werden.....für manche! geschrieben von David alias Shizo (27)
  • Die Pfanne
    eine recht praktisch unpraktische Pfanne; Adrian 9 Jahre
  • Die Angelegenheiten fremder Leute
    ......nicht einmischen....; geschrieben von Dario, 15 Jahre
  • Zeit - vor und zurück
    was wäre wenn....; Florentina 13 Jahre,
  • Präferenz
    entdeckung der Andersartigkeit; geschrieben von Frederic 17 Jahre
  • Eingesperrt
    geschrieben von Katja 11 Jahre
  • Illusion
    geschrieben von Paul 12 Jahre
  • Wer ist das Kinderschokoladen-Kind?
    Es verfolgt uns in den Gängen des Supermarkts mit seinem penetranten Lächeln. Das Strahlen seiner blütenweißen Zähne blendet uns vor dem Schokoladenregal...
  • Bevor wir das Zeitliche segnen
    Alfred Korzybski war Pole, Amerikaner, Adeliger, Ingenieur und Linguist. Das war vor einiger Zeit, doch genau in dieser hat er auf ewig seinen Fußabdruck hinterlassen.
  • Wahrscheinlich Ponyhof
    Über energetisch geforderte Orchideen und die musikalische Spannkraft von Russischer Zeder.

Spread the Word

Bookmark and Share

 

... kein Login mehr möglich!
    Mehr Info siehe Startseite in schwarzer Box.