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Innerer Monolog von einem Soldaten

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Es war ein Abend im September 1944. Meine Kameraden und ich haben schon längst aufgehört, die Tage zu zählen, es ist so sinnlos...

Unser Kollektiv hat den Auftrag erhalten, eine Truppe im Nirgendwo zu unterstützen. Unser Captain, Frank, lehnte am Flugzeug und zählte uns, die Verbliebenen, die Privilegierten des Krieges, die wir bis jetzt zumindest gewesen waren...Die Pfeife vom Captain fiel fast herunter, als er das Gesicht verzog, ein schmerzlicher Ausdruck umspielte seinen Mund, ein Blick, wie man ihn in solchen Zeiten nicht mehr zu sehen bekommt. Er hatte uns gezählt und bemerkt, dass wir schon wieder weniger geworden waren. Er gehört zu jenen Captains, die ihre Crew nie im Stich lassen würden. Das war nicht mit Gold aufzuwägen. Er formte unsere Namen; Phillip, der Kleine, der eine große Zukunft vor sich hatte, Max, der Unglücksrabe, der tollpatschig und pfiffig unsere Leben mit seinen Kommentaren erhellte, obwohl er selten wirklich Glück hatte. Willi mit dem ernsten Gesicht und drei andere, die ich nicht kenne. Sie sind neu von einem anderen Kollektiv zu uns gekommen. Wir wollen nicht wissen, weshalb. Und dann noch Jakob, mein bester Freund. Wir kennen uns seit Kindertagen, doch wir hätten nie gedacht, dass wir mal in ein Flugzeug dirigiert werden würden, dass uns in den schwarzen Himmel mitnimmt und uns vielleicht auf einem Schlachtfeld zurücklässt.

Jetzt ist es schwarz, tiefste Nacht. Doch wir erkennen die beiden Fronten. Wir fliegen im Tiefflug über dieses Feld. Max und Willi richten sich auf. Sie müssen die Torpedos bedienen. Im Dunklen verschwimmen Zelte, Lager, Erdhügel zu einer grau-schwarzen Masse, nur die Flutlichter malen helle Streifen auf den Boden. Je dichter wir an die Frontgrenzen kommen, desto heller wird es. Wir sind nicht die einzigen Flieger mit Flutlichtern.

Alles dreht sich und ich wäre fast nach unten gestürzt, hätte Jakob mich nicht aus meinem Trancezustand geweckt. Obwohl er zu brüllen scheint, kann ich ihn wegen der Düsen nicht verstehen. Torpedos fliegen an unserem Flugzeug vorbei. Einer der Soldaten fängt an zu beten. Frank flucht vor sich hin. Ein getroffenes Flugzeug stürzt vor uns in die Tiefe. Die hellen Suchlichter des Feindes surren über dem Himmel. Von unten blenden uns starke Lampen. Neben uns jagen zwei Torpedos nach oben. und treffen Captain Loorings Flugzeug. Es stürzt mit voller Besatzung ab und hätte beinahe unsere D-34 getroffen. Jetzt landen wir. Wir Soldaten springen von Bord, halten unsere Helme fest und rennen schnell vom Flugzeug weg. Kaum dass wir draußen sind, geht das Flugzeug in Flammen auf. Jakob will sich umdrehen, doch ich ziehe ihn mit. Beinahe wäre er in ein Suchlicht geraten. Wir haben unseren Graben erreicht. Wir bauen Geschosse auf. Es ist so laut hier, dass Rattern der Maschinengewehre ist allgegenwertig. Auf einmal reißt es Jakob herum. Ich packe ihn, schüttle ihn und rufe verzweifelt seinen Namen, vergebens. Eine warme Flüssigkeit fließt über meine Hände. Ein Suchstrahl erfasst uns. Alles leuchtet auf. Ich sehe alles, doch nehme nur Jakob war. Die Kameraden, die fliehen, da der Feind uns entdeckt hat, doch es ist zu spät. Es hagelt Granaten. Ich kann mich nicht bewegen. Im Flutlicht sehe ich Jakobs Gesicht. Aus seinen aufgerissenen, grauen Augen schaut mich der Tod persönlich an. Die ersten Granaten treffen auf. Weit entfernt laute Schreie. Jakob. Seine Augen. Er bewegt den Mund. Es ist ganz still. Mehr Granaten. Hinter seinen Augen macht es Klick. Wie Glaskugeln. Die Explosionen der Granaten spiegeln sich in ihnen. Es ist auf einmal ganz laut. Granaten fallen wie Regentropfen. Und ich falle, falle in schwarze Strudel. Es wird angenehm warm. Noch sehe ich die orangenen Flammen vor mir. Sie sind so unwirklich. Jakob. Er fällt mir wieder ein. Und als ich die Augen aufreiße, kann ich ihn vor mir sehen.

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Kommentare

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